Heinrich Hoffmann: Struwwelpeter

Heinrich Hoffmann (Arzt, Psychater, Kinderbuchautor, Gedichteschreiber) wurde am   13. 06.1809  in Frankfurt am Main geboren und studierte bis 1833 Medizin in Heidelberg, Halle und Paris. Mit 31 Jahren heiratete der junge Arzt mit unsicherem Einkommen Therese Donner, die ihr rund ein Jahr später seinen ersten Sohn Carl Philipp schenkte. Darauf folgte die Tochter Antoine Caroline und sein zweiter Sohn Eduard. Im Alter von 85 Jahren starb er am 20.September 1894  in Frankfurt.

Und so entstand der “Struwwelpeter” :

Als Heinrich Hoffmann für seinen dreijährigen Sohn Carl Philipp zu Weihnachten (1845)  ein Kinderbuch schenken wollte, war er sehr enttäuscht vom wenig kindgerechten Angebot und beschloss, selbst ein  Bilderbuch herzustellen.
Mit Sicherheit wüssten wir heute nichts von diesem Buch, wenn der Verleger Zacharias Löwenthal Hoffmann nicht dazu gebracht hätte, diesen neuartigen Typ von Kinderbuch zu veröffentlichen. Neben “Struwwelpeter” veröffentlichte Hoffmann auch noch fünf weitere Kinderbücher (z.B. König Nußknacker und der arme Reinhold). Keines konnte jedoch den Erfolg des Struwwelpeter wiederholen.

Inhalt des Struwwelpeter:

In dem Buch erzählt Hoffmann Geschichten von ungezogenen Kindern, die nicht auf ihre Eltern hören, weshalb ihnen allerlei grausames Unheil widerfährt: Wie z.B. dem Daumenlutscher Konrad, der stets an seinem Dauem lutscht, obwohl es ihm seine Mutter verboten hat. Sie warnt ihn vor dem Schneider, der ihm seine Daumen abschneiden werde, wenn er nicht mit dem Lutschen aufhöre. Doch Konrad hört nicht auf die Warnung und schließlich kommt der Schneider und schneidet beide Daumen ab.

Heutzutage gibt es zahlreiche neue und abgeänderte Versionen des Struwwelpeters. Wie z.B. : Struwwelliese, Struwwelhitler und der Anti-Struwwelpeter.

Weiteres hierzu finden Sie unter :

http://www.struwwelpeter-museum.de/museum.htm

http://www.planet-wissen.de/kultur_medien/literatur/kinderliteratur/struwwelpeter.jsp

Kritik am Struwwelpeter:

Weil eine negative Beeinflussung der Kinder durch den Struwwelpeter befürchtet wird, verbannen heute viele Eltern, das wohl erfolgreichste Bilderbuch aus den Kinderzimmern. Das Bilderbuch wirkt beängstigend. Außerdem spricht aus den Geschichten der autoritäre Erziehungsstil. Aber besonders, weil die Figuren in den Geschichten derartig heftige und verstörende Folgen erleiden müssen, gerät der “Struwwelpeter” zunehmend in Kritik. Für viele fällt der “Struwwelpeter” deshalb in die Kategorie “Schwarze Pädagogik”.

Aber ist dem wirklich so ? Ist der Struwwelpeter wirklich Mittel und Zweck der schwarzen Pädagogik? Oder ist das alles nur Schabernack und der Struwwelpeter völlig harmlos?

Um eine Antwort zu dieser Frage zu finden und  sich ein genaueres Bild vom “Struwwelpeter” zu machen, ist es wichtig sich als Erstes mit dem Begriff der Schwarzen Pädagogik genauer zu beschäftigen :

SCHWARZE PÄDAGOGIK-

ODER : VOM MISSBRAUCH DER ERZIEHUNG

Der Begriff  wurde 1977 von der Soziologin Katharina Rutschky mit der Veröffentlichung eines Buches unter gleichem Titel eingeführt und beschreibt eine Erziehungstheorie, die unserem heutigen Verständinis von Erziehung völlig widerspricht.

Bild: Katherina Rutschky

Kinder und Jugendliche sollen durch körperliche und seelische Gewalt beeinflusst, gelenkt und geführt werden.

In der Schwarzen Pädagogik gilt das Kind als unvollkmmen und “von Natur aus schlecht”, weshalb es durch Strafen, Liebesentzug, Erzeugen von Todesängsten und Demütigungen geformt werden soll.

Ziele der Schwarzen Pädagogik :

  •  uneingeschränkter Gehorsam des Kindes
  • Anpassung, Gefolgschaft, Gefügigkeit
  • Disziplin : verkörpert Zwang, Unterordnung, Verzicht, Triebunterdrückung, …
  • Erzieher soll in den Augen des Kindes als unfehlbar gelten
  • Kind soll sich ohne beurteilendes Hinterfragen in die Ordnung der kirchlichen, politischen und sittenstrengen Wertvorstellung einfügen
  • Willen des Kindes brechen
  • natürliche Neugier (auch in Bezug auf Sexualität) unterbinden
  • Härte & Kälte als Vorbereitung für das zukünftige Leben
  • Abhärtung

Mittel und Vorgehensweise :

  • Drohungen, Demütigungen
  • Gewalt , Strafen, grober Umgang
  • Emotionslosigkeit (fehlende Zärtlichkeiten)
  • psychischer Druck ( Liebesentzug, Lügen, schlechtes Gewissen einreden)
  • Hierarchie innerhalb der Familie : erzeugt Gefühl der Wertlosigkeit

Folgen

Durch die Erziehungsmaßnahmen entwickeln die Kinder (Selbst-) Hass  und (Selbst-) Aggression, die sie an ihre Mitmenschen, Tiere & Umwelt und später an ihre eigenen Kinder weitergeben.

Eltern beachten die lebenswichtigen Grundbedürfnisse ihre Kinder nicht mehr. Stattdessen werden die Kinder ausgebeutet, geschlagen, missbraucht, gezielt beeinflusst und vernachlässigt.

Die gezielte Drangsalierung und Kontrolle von Kindern unter dem Decknamen der Erziehung führt dazu, dass die kindliche Lebendigkeit, Gefühlszustände und soziale Fähigkeiten im Keim erstickt werden.

Die Schwarze Pädagogik zerstört somit die kindliche Entwicklung und jede Chance der freien Entfaltung der Persönlichkeit und Kreativität.

Foto : Scared Child at Nighttime

Ist der Struwwelpeter nun Mittel der Schwarzen Pädagogik?

Meiner Meinung nach gehört der Struwwelpeter nicht zu der Schwarzen Pädagogik. Zwar gibt es einige Geschichten, die die Kinder im negativen Sinne beeinflussen können, allerdings halte ich diese Beeinflussung nicht für so schwerwiegend, wie die, die von den Erziehungsmaßnahmen der Schwarzen Pädagogik ausgehen. Natürlich kann es sein, dass Geschichten wie der “Daumenlutscher” oder der “Suppenkaspar” den Kindern Angst einjagen. Ich gehöre in diesem Punkt definitiv dazu. Als ich in dem “Struwwelpeter-Alter” war, hatte ich riesige Angst vor dem Schneider, der mir den Daumen abschneiden könnte (denn auch ich habe ständig daran genuckelt). Der Wesentliche Unterschied zwischen Schwarzer Pädagogik und dem “Struwwelpeter” allerdings besteht darin, dass in der Schwarzen Pädagogik die Kinder von ihren ELTERN bestraft werden. In Heinrich Hoffmanns Bilderbuch dagegen geschieht die “Bestrafung” allerdings durch das Missgeschick, die Naivität und die Unüberlegtheit der Personen selbst. In Hoffmanns Geschichten werden die Kinder nicht durch die Eltern bestraft. Deshalb besteht auch keinerlei Verbindung zwischen der Strafe und den Eltern als Erzieher.

Randbemerkung : Katherina Rutschky´s Buch “Schwarze Pädagogik” ist sehr empfehlenswert, wenn man sich für dieses Thema interessiert und sich genauer damit beschäftigen möchte. Ich konnte in diesem Artikel natürlich längst nicht alles auflisten, aufzählen oder beschreiben, denn dafür ist das Thema eindeutig viel zu komplex.

Quellen :

http://www.sfi-frankfurt.de/fileadmin/redakteure/pdf/Pressestimmen/2009-06-14-FAZ-Lustvolle_Phantasien.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_P%C3%A4dagogik

http://www.struwwelpeter-museum.de/

http://www.grin.com/de/e-book/45532/schwarze-paedagogik

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2 Kommentare

  1. also ich kann nicht sagen dass mir der struwelpeter angst eingejagd hätte ,obwohl einige geschichten recht überspitzt dargestellt werden … im gegenteil , ich hab mich eher an der farbenpracht erfreuen können ! es gibt sichersubtilere methoden kinder zu erziehen.

    Antwort
    • da stimme ich dir völlig zu. Ich persönlich hatte zugegeben vor der einen oder anderen geschichte definitiv angst, allerdings prägten diese “ängste” mich nicht für mein ganzes leben, so wie es bei den methoden der schwarzen pädagogik wohl der falll wäre. ich würde meinen kindern denke ich dieses buch auch nicht vorenthalten. danke für dein feedback :)

      Antwort

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